Der Norden Argentiniens: Hüttenrode at it’s best!

Für alle die sich fragen wer oder was Hüttenrode ist und was das jetzt mit Argentinien zu tun hat, sollen auf etwas später vertröstet sein. Für alle anderen: Hüttenrode kann von Argentinien noch viel lernen. 🙂 Aber eins nach dem anderen.

Nachdem wir den ganzen Tag auf die Haftpflichtversicherung von Speiser Seguros für Argentinien gewartet hatten, ging es nach einem spannenden Gespräch mit gerade neu eintrudelnden Schweizern erst um ca. 17:00 Uhr vom Campingplatz mitten in der Wüste los. Kurz volltanken und die bereits bekannte Straße in Richtung Paso de Jama hinauf. Klingt wieder unspektakulär, ist aber landschaftlich ein imposantes Erlebnis. Innerhalb kürzester Zeit fährt man rund 2500 Höhenmeter eine wahnsinnig breite Wand hinauf bis in den Himmel. Im wahrsten Sinne des Wortes. Für die Giraffe übrigens ein echter Kraftakt, zumal der Wind (der kaum vorhanden war) auch nur von hinten pustete. Somit mussten wir 3 kurze Abkühlungspausen einlegen, um nicht irgendwas am Motor zu zerstören. Am Ende erreichten wir auf dem Höhepunkt des Passes wieder mal locker Mont Blanc Höhe (über 4800m) und durften bei der immer weiter fortschreitenden Dunkelheit eindrucksvolle Gewitter ganz in der Nähe bestaunen. An einer Lagune fanden wir ein kühles aber wieder schönes Plätzchen zum Übernachten.

Übernachtung an einer Lagune kurz vor der argentinischen Grenze

Am nächsten Morgen fuhren wir das kurze Stück bis zur argentinischen Grenze und erledigten alle Formalitäten. Hola Argentina (gesprochen Arrrrrchendina 🙂 )! Die Weiterfahrt nach Tilcara zog sich dann aber wie Kaugummi, obwohl die Landschaft wieder einiges zu bieten hatte. Immerhin verdiente die Straße ihren Namen und sicherte zügiges Vorankommen. In Tilcara angekommen mussten wir uns erstmal um argentinische Peso bemühen. Im Vorfeld hatten wir schon gelesen, dass argentinische Geldautomaten nur etwa 50 Euro rausrücken und dafür auch locker 20% Gebühren verlangen. Ah ja. Im gleichen Atemzug empfehlen alle die Verwendung von Western Union. Dazu kommt, dass Western Union – vermutlich durch den US-Dollar – einen um 1/3 besseren Wechselkurs anbietet. Wie das genau funktioniert ist uns nicht klar. Fakt ist, dass wir statt 1 zu 66 aktuell für 1 zu 97 tauschen. Beschränkungen in der Menge des abzuhebenden Geldes gibt es quasi nicht und es fallen nur 4,90€ Gebühren an. Gebongt! Geld in der App überwiesen und ab zum nächsten Store. Aaaaaber halt. Nicht so schnell mit den jungen Argentiniern. „Ihr wollt zwischen 12 und 17 Uhr in ein Geschäft? Haha, nicht mit uns.“ Da ist erstmal alles zu. Sich daran zu gewöhnen ist für uns Arbeits-Europäer echt nicht leicht. Jedenfalls haben wir an diesem Tag kein Geld mehr von einem Western Union Punkt bekommen und mussten stattdessen doch auf den teuren Banktransfer zurückgreifen. Naja. Immerhin konnten wir 2 SIM-Karten ergattern und diese einfach durch einen Local in einem kleinen Laden aktivieren lassen. Schließlich fanden wir am Ende des Tages beim Camping El Molino für 2 Nächte ein geniales Plätzchen um die Fahrstrapazen hinter uns zu lassen. Jeden Morgen von einem privaten Lama, sowie der üblichen Menge Hunde begrüßt zu werden, hat schon was.

Pullerpause auf dem Weg nach Tilcara

Nächste Station war Salta. Ganz im Nordwesten. Der erste Eindruck nach Ecuador, Peru, Bolivien und Chile ist hier ein komplett anderer. Wüsste man es nicht besser würde man sagen, dass man in Frankreich oder irgendwo in Europa ist. Wirklich ein krasser Gegensatz zu allem bisher. Nach der Besorgung einiger Lebensmittel und einem leckeren Kaffee, hielten wir kurz vor Merced an einem Spielplatz direkt an der Straße für unser Nachtlager an. Spielemonster Mika knöpfte direkt Kontakt mit den einheimischen Kids und dehnte die gemeinsame Spielesession bis um 22:00 Uhr aus.

Wie sehr hatte ich mich übrigens auf die guten chilenischen und argentinischen Straßen gefreut. Macht es das Fahren doch um einiges entspannter. Um nicht im Inland Argentiniens herumzufahren, entschieden wir uns ab Salta wieder westwärts Richtung Anden der Ruta 33 zu folgen. Unser Weg führte durch super grünes und waldiges Gebiet bis zum Anfang eines Tales, welches sich über einen Pass auf die andere Seite schlängelte. Und aus der guten geteerten Straße wurde wieder mal Schotterpiste. Entschädigt wurden wir dafür wieder mit grandiosen Landschaften und Pässen weit über der 3500 m-Marke. Ziel dieses ganzen Unterfangens war Cachi und der damit verbundene Eintritt in die durchaus bekannte Ruta 40.

Wie das wohl im Winter ausieht?

Die Ruta Nacional 40 ist mit über 5000 km die längste Nationalstraße Argentiniens und überhaupt eine der längsten Fernstraßen der Welt. Sie durchquert den gesamten argentinischen Westen und verläuft von der bolivianischen Grenze bis nach Feuerland. Für uns Facts genug um sich dieser Straße ein wenig zu widmen. Die gesamte Fahrt von Salta nach Cachi war auf jeden Fall phänomenal. Oben auf dem Pass angekommen wurden wir von 3635374 Palmen begrüßt und begleitet. Wunderschön. In Cachi selbst fanden wir auf dem Camping Municipal Unterschlupf. Für sagenhafte 3 Euro für alle pro Tag bekommt man eine heiße Dusche, Toiletten und Strom.

„Kleine“ Wasserdurchfahrt – mittlerweile nichts mehr Besonderes 🙂
Ruta 40

Ab hier bogen wir nun endgültig auf die Ruta 40 ein. Aus der schönen glatten Straße wurde hinter Cachi erstmal eine 2-tägie Schotter-Odyssee. Nach 3 Stunden und in Molino (ein kleines Dörfchen mitten im Nirgendwo), hatten wir bei 30 Grad die Nase voll. Am Abend erlebten wir auch das krasseste Gewitter unseres Lebens. So nah über uns und so laut hatten wir Donner noch nie erlebt. Schützt ein Auto mit Fieberglasdach eigentlich auch so gut gegen Blitze?

Ruta 40
Ruta 40 … das Fiese sind übrigens diese Querrillen. Da wackelt einfach alles!

Tags darauf führte uns „die Straße“ durch imposante und alte Felsschluchten vorbei an endlosen Weingütern. Diese Gegend bis hinunter nach Mendoza ist bekannt für seinen Wein. Als wir 20 km vor Cafayate endlich wieder auf feste Straße stießen, atmeten wir erstmal auf.

Cafayate und Hüttenrode

Cafayate – hier haben junge Künstler die Wände sehenswert verschönert

In Cafayate quartierten wir uns erneut auf dem Camping Municipal ein. Für alle die schon sehnsüchtig drauf gewartet haben, ab hier beginnt die Hüttenrode-Story. 🙂 Kurz als Einführung: Hüttenrode richtet seit unendlich vielen Jahren das glaube ich größte Freiluft-Volleyballturnier Deutschlands aus und ist unter Volleyballern berühmt-berüchtigt. Neben hochklassigem Volleyball auf Schotter, finden bei dem mehrtägigen Event großartige Parties statt. Zuviel dazu. Argentinier würden bei diesem Event unheimlich gut reinpassen. Wie läuft das ab? Ab etwa 14 Uhr holt jeder argentinische Camping-Besucher seinen portablen Party-Lautsprecher heraus (wir sprechen dabei aber nicht von den kleinen Soundboxen wie bei uns, sondern von diesen riesigen XXL-Teilen) und beginnt seine Playlist abzuspielen. Lautstärke: 5 Million! Jeder! Ab 14:00 Uhr! Man hat „Glück“, wenn man dabei an etwas moderneren Einwohnern parkt und halbwegs ordentliche Musik hört. Also neben den anderen 48 Liedern die alle parallel laufen. Erstaunlich wie das menschliche Gehör trotz der Lautstärke bestimmte Dinge isolieren kann. Naja, und ebenso erstaunlich wie man einen Meter neben seiner XXL-Box sitzen und Musik hören kann. Übrigens werden Playlist-Enden schonungslos ausgenutzt um die Lautstärkehoheit und Musikführerschaft zu übernehmen. Der Gegenschlag kann dann nur noch durch pure Kraft (Lautstärke) glücken. Einige Partygruppen begannen dann am späten Nachmittag mit stundenlangen Tanzsessions. Dagegen ist „wir sitzen alle im selben Boot“ ein Witz. Gegen 23:00 Uhr hatten dann alle keine Lust mehr und regelten die Lautstärke auf „nur noch“ 100 herunter. Puhh, endlich schlafen.

Mit Meik’s „Föhntechnik“ waren wir auf jeden Fall ganz vorn dabei! 😉

Das gleiche Spiel wiederholte sich am nächsten Tag. Dieses Mal jedoch mit noch mehr Teilnehmern, noch mehr Playlists und noch mehr XXL-Lautsprechern. Gegen ein Uhr war Ruhe. Noch einen Tag später folgte der Höhepunkt. Noch mehr Leute (Zelte in allen Reihen und Ecken) und wir dieses Mal direkt neben den Königen. Mit 2 Kindern und einem Baby sitzen und tanzen die Argentinier bei einer ohrenbetäubenden Lautstärke direkt neben ihrem Lautsprecher und lassen es sich gut gehen. Das der Grill mit den leckeren Steaks gegen 22:00 Uhr angeheizt wird, ist dabei nur eine Randbemerkung wert. Um 2 Uhr hatten die Könige ein Einsehen und stellten etwas leiser.

Fazit: Argentinier sind Party-Maschinen die ihresgleichen suchen. Und um 8 Uhr sind alle wieder auf den Beinen. Auch die die um 2 Uhr besoffen und schlafend am Baum kurz vor der Toilette anzutreffen waren. Wir ziehen unseren (Party-)Hut!

Wir brauchen wieder etwas mehr Ruhe: Los geht’s!

Viel länger konnten wir uns dieses Getümmel nicht antun. Etwas mehr Ruhe und Abgeschiedenheit waren jetzt genau das was wir brauchten. San José in der Catamarca Provinz war das nächste Ziel. An der Provinzgrenze eine Polizeikontrolle. Nicht ungewöhnlich in Südamerika und für uns schon fast Normalität. Diese sollte jedoch ein wenig anders werden. Der super freundliche Polizist stellte sich vor und fragte als erstes ob er mal die Tür öffnen könnte. Ähm, ja klar, mach. Sofort zeigte er auf meine nackten Füße und erklärte das man festes Schuhwerk zum Fahren benötigt. Oh, sorry, Schuhe habe ich hinten. Nachdem ich sie angezogen hatte und er mir dabei sogar half, forderte er mich auf mitzukommen. An seinem Schreibtisch wusste ich was nun folgte. Ein Strafzettel. Auf sein rotes Dokument schrieb er zuerst etwas auf Spanisch und danach eine Zahl: 3000 Pesos (etwa 35 Euro). Meine Reaktion? Puhhhh, no. Direkt darauf fragte er mich wieviel ich bereit wäre zu bezahlen und genau hier wurde ich stutzig. Als wir bei 1000 Pesos waren deutete ich an telefonieren zu müssen und ging einfach weg. 10 Sekunden später kam sein Kollege hinter mir her, fragte wo wir herkämen, gab mir die Dokumente zurück und wünschte uns eine gute Fahrt. Bisher hatten wir in Lateinamerika keine Probleme mit Korruption oder ähnlichem und in Argentinien hätte ich es am allerwenigsten erwartet. Zum Glück sind wir hier gut herausgekommen und seitdem trage ich auch bei 35 Grad Schuhe, um Auto zu fahren.

Das Wetter an diesem Tag war übrigens überhaupt nicht schön. Erst total bewölkt und später kam auch noch Regen samt Wind dazu. Schließlich regnete es auch noch. Somit fiel der geplante Besuch an heißen Thermalquellen der erforderlichen Flussüberquerung zum Opfer. Am Ende fanden wir an einem örtlichen Campingplatz einen sicheren Stellplatz für die Nacht.

Nach der ganzen Fahrerei musste mal wieder etwas Bewegung in der Natur her. Jana fand einen super guten Canyon Hike zum Wasserfall Cola de la Novia mitten in der Wüste. Bei 35 Grad und strahlendem Sonnenschein erfassten wir erstmal wo wir eigentlich waren und welche Umgebung uns umgab. In der Ferne erblickten wir schon wieder die schneebedeckten 5000er-Gipfel. Zum Wohlfühlen. Nach einem kurzen Irrweg fanden wir schließlich den Eingang in den Canyon. 40 Minuten später standen wir vor einem durchaus imposanten senkrechten etwa 20m hohen Wasserfall. Das Bad und die Abkühlung so wie Gott uns schuf tat auf jeden Fall gut. 🙂

Wenn hier mal das Wasser durchgepflügt ist… uijuijui
Ein echter Teufel – also der Wasserfall 🙂
Sehr eindrucksvoll der Cola de la Novia

Mit der Weiterfahrt zu einem Stausee bei Chañarmuyu endete unser Weg durch den nordwestlichen Teil Argentiniens. Da wir gut in der Zeit lagen, entschieden wir uns ab hier sogar noch weiter in Richtung Patagonien zu fahren. Gut und schlecht zugleich wie ihr im nächsten Bericht lesen könnt. 🙂

Man kann schlechter stehen 🙂

Ein Kommentar bei „Der Norden Argentiniens: Hüttenrode at it’s best!“

  1. Zu wissen, dass ihr morgen voraussichtlich euren Rückflug in die Heimat antreten könnt/müsst und gleichzeitig diese Natureindrücke zu sehen und zu lesen, macht alles so unwirklich😏
    Ich drücke euch die Daumen, dass ihr in den ✈kommt und alle👪bald gesund wieder zu Hause seid❣🙋‍♀️

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