Schlemmerauszeit in Fort Lauderdale

Eigentlich sollten Sätze nicht mit eigentlich starten. Doch eigentlich bestand unser Plan ursprünglich darin, noch zwei weitere Länder Zentralamerikas zu bereisen. Wir wollten auf dem Landweg über Honduras bis nach Guatemala Stadt fahren um von dort letztendlich nach Südamerika zu fliegen. Wie es aber immer so ist, kommt es erstens anders und zweitens als man denkt. Das Auswärtige Amt ist (leider oder zum Glück) sehr gut darin, mit seiner Sprache bei den Auslandshinweisen – sagen wir es mal so – Bedenken zu schüren. Selbst in Costa Rica und Nicaragua haben wir uns mehrfach gefragt, ob wir wirklich gefahrlos per Bus reisen können. Für Honduras und Guatemala sagte unser gesunder Menschenverstand in Verbindung mit den Hinweisen des Auswärtigen Amtes, dass wir mit dem Gepäck was wir mitführen (wir haben immernoch die kleine Campingausrüstung aus Kalifornien bei uns) zu träge, zu unbeweglich und letztendlich zu langsam sind um vertretbar sicher und bequem per Bus reisen zu können. Lange Rede kurzer Sinn: Daher beschlossen wir noch in Costa Rica, dass wir unsere Aufenthalte in diesen beiden wunderschönen Ländern etwas strecken und direkt von da aus nach Ecuador fliegen.

Fort Lauderdale – Hähh?

Direktflüge von Zentralamerika nach Quito (die Hauptstadt Ecuadors) oder Guayaquil (zweitgrößte Stadt) sind ungewöhnlich teuer. Mit Spirit Airlines fanden wir einen US-Amerikanischen Billigflieger, der die Strecke Managua nach Guayaquil über Fort Lauderdale für 2/3 des Preises (im allerbesten Fall) anbietet. Nimmt man keine Verbindung die 19 Stunden dauert, waren wir schnell bei der Hälfte des Preises. Also beschlossen wir in der westlichen Zivilisation aufzutanken (Mac OS-Updates warteten schon und Netflix vermisste uns auch schon ganz fürchterlich) und über Fort Lauderdale nach Ecuador zu fliegen.

Die Schlemmerwoche

Ausgehungert durch die Abwesenheit geeigneter süßer Sünden und durch ausgiebiges Training in Nicaragua, gaben wir dem Ganzen – damit es nicht ganz so sinnlos daher kommt – gleich noch einen Namen. „In Florida schlemmen wir mal eine Woche so richtig was das Zeug hält!“ Juhu.

Der Flieger ging mitten in der Nacht um 1:30 Uhr (wer macht solche Verbindungen?) aus Managua. Um 6:00 Uhr Ortszeit setzten wir pünktlich im Sunshine-State auf. Wirklich viel Schlaf ergatterten wir allerdings nicht, sodass sich die Einreiseprozedur in den USA wieder gummiartig lang und unnötig anfühlte. Ein kleiner Witz mit der Beamtin am Flughafen brach aber schnell das Eis und ließ uns um kurz nach 7 Uhr einreisen. USA die Zweite. Oder auch Dritte. Je nachdem ob Hawaii zählt oder nicht. Dank Jana’s akribischer Tripadvisor-Recherche, fanden wir schnell ein gutes und halbwegs günstiges Frühstücks-Restaurant. Was direkt auffiel: In den USA herrscht wieder ein anderer preislicher Wind. Für 25 Dollar hätten wir in Nicaragua einige Frühstücksexzesse zelebrieren können. Direkt im Anschluss fuhren wir die US-1 nach Norden um Jana endlich aus ihrer Handylosigkeit zu holen. In Boca Raton fanden wir einen guten Laden namens MobilSource – Cellphone Repair mit entspannten Mitarbeitern. Auch wenn uns anfänglich noch Hoffnung gemacht wurde, ist in Jana’s altem Telefon irgendetwas ausgelaufen das sich nicht mehr reparieren lässt. Für $ 200 erstanden wir am Ende ein super erhaltenes iPhone 7 mit fast neuem Akku. Schnapper. Und Jana is back! Da wir erst am späten Nachmittag in unsere Unterkunft konnten, führte uns der Weg direkt am Meer immer weiter gen Norden in Richtung West Palm Beach. Wir stellten fest, dass wir exakt diesen Weg vor 6 Jahren auf unserer Florida-Rundreise schon einmal gefahren sind. Die Abkühlung im Atlantik verdiente nach knapp 8 Wochen Zentralamerika wirklich ihren Namen. Fast schon ein bisschen kalt. 🙂 Als uns am Nachmittag die Lust ausging und alle zunehmends müder wurden, kehrten wir um und versorgten uns auf dem Heimweg noch mit einigen Lebensmitteln für die kommenden Tage. Das erste Ben & Jerries Eis durfte natürlich nicht fehlen. Nur das Motto zählt! 🙂

Willkommens-Frühstück in Fort Lauderdale

Die folgenden drei Tage lassen sich schnell erzählen: Sport im nahegelegenen Holiday Park (ein riesiger öffentlicher Park mit allen Sportmöglichkeiten dieser Welt – genial!), einkaufen (Eis und Kuchen), Netflix und Monopoly. Ende. 🙂

In der 30 Minuten entfernten Sawgrass Mills Shopping Mall wollten wir die ein oder anderen Dinge besorgen. Leider gab es bis auf 10500 Schritte und 6 km zurückgelegter Strecke nicht viel für uns zu holen. Immerhin etwas Kalorien für die nächste Schlemmersünde verbrannt. Yes! Damit Netflix nicht denkt das jemand unseren Account missbraucht (haha), besuchten wir 2 Tage vor dem Ende der Schlemmerwoche noch ein gutes altes Kino. Abominable oder mit deutschem Titel „Everest – Ein Yeti will hoch hinaus“ lief und bescherte uns ein Netflix-artiges Erlebnis. Alleine in einem amerikanischem Kino. Übrigens ein schöner Kinderfilm! Auf dem Nachhauseweg besuchten wir Burger Fi. Frisch gemachte Burger etwas abseits von McDonalds, Burger King, Wendy’s und Co. Definitiv einer der besseren Burger die ich in meinem Leben gegessen habe.

auch in Florida ist es mit „echten“ Brötchen nicht einfach – also schnell selber machen

Am letzten Tag bevor es endlich nach Südamerika ging, besuchten wir den Boca Raton Boomers! Adventure Park. Eine große Halle mit Außengelände und einer Menge Spielautomaten und Rummelattraktionen jeglicher Art. USA-typisch leider nicht ganz günstig. Daher beschränkten wir uns auf gutes altes Go-Kart-Fahren und Boat Bumpers. Zweiteres war ein riesen Spaß. Kleine runde Gummiboote mit einem Elektromotor vorne dran, der sich drehen lässt. Zusätzlich gibt es einen „Squirt“-Knopf. Nicht was ihr jetzt denkt, nur ein 3 Meter langer Wasserstrahl der vorne aus dem Boot kam. Sobald die Action freigegeben wurde, begab ich mich in den Kampf mit 8 unter 10-jährigen. Das Ende des Liedes: Ich kam geschlagen und völlig durchnässt (aber mit einem fetten Grinsen auf den Lippen) aus meinem Gummiboot heraus. Immerhin konnte ich einige empfindliche Gegenstöße gegen die hartnäckige 7-Jährige Brünette landen. Der sehr motivierte 10-Jährige machte mich aber im wahrsten Sinne des Wortes nass. Die sind aber auch gut! 🙂

Showdown
eiskalt von hinten erwischt
Spielplatz am Fort Lauderdale Beach Park

Am Weiterreise-Tag sagten wir unserem Hausstrand „Fort Lauderdale Beach Park“ auf Wiedersehen bevor es an den Flughafen ging. Beim Einchecken am Schalter ging unser Puls urplötzlich nach oben. Auch wenn die junge Mitarbeiterin anfänglich noch scherzte das sie noch nie einen deutschen Pass gesehen hätte, war sie unsicher wie sie alles in ihrem System ausfüllen sollte. Im Speziellen ging es darum, ob wir einen Ausreisenachweis (aus Ecuador) vorzeigen können bzw. müssen oder nicht. Die Bedingungen sind so, dass man als Deutscher ein 90-tägiges Touristenvisum erhält und dann selbst dafür verantwortlich ist diese Zeit nicht zu überziehen. Bei Einreisen auf dem Luftweg werden anscheinend jedoch die Fluglinien in die Pflicht genommen falls ein Tourist seine 90 Tage unerlaubt überzieht, sodass man nicht ohne Ausreisenachweis einreisen darf. Unser Camper der am Hafen in Manta auf uns wartet, wurde leider nicht akzeptiert. Wirklich logisch ist das nicht. 2 Stunden vor Abflug. Und nun? Ein guter Hinweis kam von einer anderen Mitarbeiterin: „Bucht euch doch einfach schnell ein Busticket von irgendwo raus aus Ecuador.“ Gesagt getan und so besorgten wir uns mit dem Flughafen-WLAN eilig 3 Tickets mit LatinBus nach Peru. Damit waren dann allen Richtlinien genüge getan. Bei der Einreise in Ecuador fragte uns der Beamte wie lange wir bleiben wollten. Wir antworteten artig das wir erst auf die Galapagos-Inseln und ein paar Tage später nach Peru weiterreisen wollten. Doppelschwör.

P.S. Die Stornierung der Bustickets funktionierte übrigens problemlos. 🙂

Weiter geht es in Ecuador. Yeah!

2 Kommentare bei „Schlemmerauszeit in Fort Lauderdale“

  1. Abenteuerreise pur👍
    Aber ihr scheint Glückspilze zu sein, denen immer wieder Hilfe zuteil wird. Verdient ist verdient😉
    Ich wünsche euch viele schöne Erlebnisse in Ecuador und bleibt gesund🙋‍♀️

  2. Wir geben uns wie immer die größte Mühe. 🙂

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