Jetzt aber wirklich: Wir sind auf Weltreise!

Mit einer Woche Verspätung sind wir nun endgültig in unser Abenteuer gestartet. Zwei große Backpacks (mit 14kg und 17kg laut check-in), ein etwas kleinerer Rucksack für Mika und 3 Tagesrucksäcke als Handgepäck. 365 Tage weg von zu Hause. 365 Tage weg von Familie, Freunden und bekannten Gesichtern. 365 Tage Sommer und Sonne. 365 Tage unterwegs. 365 Tage ohne den gewohnten Alltag. Neue Länder, Sitten, Erfahrungen, Sprachen, Menschen, Gewohnheiten und Erlebnisse. So richtig ist das im Kopf noch nicht angekommen.

Letzten Donnerstag zogen wir die Tür unserer Wohnung zu und machten gleichzeitig Platz für Konsti, Thea, Svetlana und Martin. Welcome back beziehungsweise willkommen in Deutschland übrigens. 🙂 Am Bahnhof trafen wir Katrin und Torsten von der besten kleinen Firma der Welt (Hashtag #inoxio), die auf dem Weg zur Heart of Clojure Konferenz in Belgien waren und zufälligerweise bis Köln den selben Zug mit uns teilten. Somit blieb hier noch ausreichend Zeit um sich zu verabschieden.

Katrin und Torsten auf dem Weg zur Heart of Clojure in Leuven (Belgien)

Angekommen in Düsseldorf erkundeten wir ein wenig die Altstadt und probierten zum ersten Mal die E-Scooter von TIER Mobility aus. Eine halbe Stunde beförderten uns die um die 20 Km/h schnellen Roller umher. Richtig praktisch!

Nach einer entspannten Nacht im Hotel direkt am Flughafen ging es am Freitag zu Fuß in Richtung Terminal. Nach 5 (!) Kontrollen und vollen 2 Stunden saßen wir endlich im Wartebereich der Airline um kurze Zeit später schließlich an Board zu gehen. Unglaublich was für ein Aufwand betrieben wird um in die USA einzureisen. So richtig sympathisch ist das nicht.

Las Vegas

Satte 10,5 Stunden später landeten wir nach einem recht entspannten Flug am McCarran International Airport in Las Vegas. Auch wenn es Ortszeit erst ca. 17 Uhr war, zeigte die noch nicht umgestellte Uhr um 2 in der Nacht deutscher Zeit. Die Einreiseprozedur gestaltete sich mit 45 Minuten überraschend kurz. Der Mietwagen war fix besorgt und so ging es anschließend direkt in unsere Unterkunft in der Nähe des Las Vegas Strip. Die erste Nacht war dann für mich auch pünktlich um 1:30 Uhr Ortszeit (10:30 Uhr deutscher Zeit) beendet. Endlich mal Zeit um eine neue Netflix-Serie zu beginnen und die Zeit bis zum Sonnenaufgang sinnvoll zu nutzen. Wann hat man dafür sonst schon Zeit (danke Jetlag)? Die ersten beiden Las Vegas Tage bestanden aus klassischem Ausrüstung besorgen: Ein wenig Shopping hier und da und – wichtiger – ein kleines Zelt plus Matten, Schlafsäcke und Kocher wollten erstanden werden. Ansonsten fielen uns um 19:00 Uhr die Augen zu. Dafür suchten wir kollektiv gegen 3 Uhr früh putzmunter nach Frühstück und fröhnten unserem neuen Netflix-Hobby bis zum Sonnenaufgang. Nach 2 Nächten und bereits ein wenig Planung wie es weitergeht, verließen wir am Sonntag die Casino-Stadt. Um ehrlich zu sein reizte mich Vegas im Vorfeld nicht wirklich. Lediglich der Flug hierher war gut und günstig (wenn der Fauxpas mit Mika’s Reisepass nicht gewesen wäre). Trotzdem wollten wir uns den Strip wenigstens einmal etwas genauer anschauen. Was soll ich sagen: Nicht mal zu einem Foto hat es bei 43 Grad gereicht. Ja, es sind eindrucksvolle, teils riesige und legendäre Gebäude dicht aneinander gereiht. Das war es dann aber auch schon. Wir machten also 2 Haken auf unserer Bucket List und begaben uns in Richtung Hoover Dam.

Hoover Dam

Hoover Dam und die Nationalparks

Nicht sonderlich weit von Las Vegas entfernt befindet sich der Hoover Dam. Vielleicht lag es an den heißen Temperaturen, vielleicht am Jetlag oder der kargen Landschaft. Der in den 1930er Jahren gebaute Staudamm wirkte alles andere als groß oder beeindruckend auf uns. Lediglich die Frage des Wachpersonals ob wir Schusswaffen im Auto hätten ließ uns aufhorchen. Um ehrlich zu sein hatten wir ein komplett anderes Bild im Kopf. Vor Ort wirkte der Damm eher klein und so hielten wir uns nur kurz dort auf und verschwanden direkt wieder in Richtung der nächsten Station.

Über das Death Valley sollte unsere Reise nach Yosemite, Sequoia und vielleicht noch Kings Canyon gehen. Bereits in Vegas dämmerte uns aber die Gewissheit, dass spontanes Camping in riesigen Gebieten in Kalifornien nicht so einfach ist wie man sich das vielleicht vorstellt. Und scheinbar sind die Amerikaner absolute Hardcore-Camper. Egal wo wir nachforschen oder nachfragen: Jeder Campingplatz ist voll und man verweist uns weiter. Wirklich krass. Da es in Ost-Kalifornien konstant um die 45 Grad hat, entschieden wir uns dazu das Death Valley zu streichen und südwestlich über Barstow und Bakersfield den Sequoia Nationalpark anzusteuern. Doch auch hier war an eine Übernachtung direkt im Nationalpark nicht zu denken. Stattdessen fanden wir kurz vor Sequoia in Three Rivers einen kleinen und schnörkellosen Campingplatz, der zufälligerweise direkt am Kaweah River gelegen war. Perfekt! Die nächsten zwei Tage verbrachten wir entspannt im und am Wasser. Wirklich schön.

Kaweah River in der Nähe des Sequoia Nationalpark

Mal abgesehen von der doch recht großen Touri-Komponente, ist der Sequoia Nationalpark richtig angenehm und es gibt einiges zu entdecken: Der Giant Forest mit dem – in der Masse gesehen – größtem Baum der Welt (der General Sherman tree). Der Moro Rock, ein vom Tal sehr imposanter, 2050 m.ü.N. hoher Granitbrocken. Tunnel Log, ein umgefallener Baumriese mit einem hineingeschnitztem Durchgang für Fahrzeuge oder Tunnel Rock, ein riesiger herabgestürzter Felsbrocken auf dem man klettern oder unten drunter hindurch gehen kann. Das sind nur einige Attraktionen, die, verbunden mit der angenehmen Luft auf ca. 2000 m.ü.N., einen mehrtägigen Besuch rechtfertigen würden. Trotzdem fällt auf, dass sich der Amerikaner sehr auf seine Einwohner und Touristen eingestellt hat. Überall stehen Warn- und Hinweisschilder die einem das Gefühl geben, dass man sich gegen jedes Risiko absichern möchte. Leider zerstört das ein wenig das Flair eines naturbelassenen Nationalparks. Warum müssen Wanderwege komplett betonniert und mit Treppenstufen durchzogen sein? Warum muss ein Berg für jeden (egal ob 3 Jahre alt oder 150 kg schwer) erreichbar sein indem man seinen Weg bis zum Gipfel mit Beton, Stufen und Geländern versieht? Ich weiß es nicht und bin mir nicht sicher, ob das so sein muss. Übrigens sehr beeindruckend war die Tatsache, dass es in den Wäldern des Öfteren zu teils gewaltigen Feuern kommt. Die Baumriesen sind stille Zeugen dieses Naturschauspiels und berichten nach Jahrhunderten von ihren flammenden Infernos.

Tunnel Log im Sequoia Nationalpark
Jana auf dem Gipfel des Moro Rock
Sequoia Nationalpark

Kalifornien’s Küste

Auch wenn wir den Kaweah River und Sequoia vermissen werden, machten wir uns gestern auf den knapp 3-stündigen Weg nach Cambria, direkt an Kalifornien’s Pazifikküste. Das Teil ist so lang, da wird es ja irgendwo ein schönes (Zelt-)Plätzchen für uns geben. Die Tatsache das wir nach Monterey gestern, heute schon in San José angekommen sind lässt vermuten, dass dem nicht so ist. Die letzten beiden Tage haben wir mehr oder weniger im Auto auf der Suche nach einem schönen Ort verbracht. Leider ohne Erfolg. Die angepriesene Route 1 – die Küstenstraße von Los Angeles hoch nach San Francisco – ist wiederum beeindruckend. Auf einer Distanz von ca. 70 (!) Meilen, gibt es zwischen Cambria im Süden und Monterey im Norden keine wirkliche Stadt, Ansiedelung oder Aktivität. Man fährt einfach nur ewig die Küste entlang ohne das Menschen sich dort niedergelassen haben. Generell scheint die Küste nicht sehr stark besiedelt zu sein. Für unsere Zeltplatzambitionen ist das sehr schade. Stattdessen bedingt das eine erneute Planänderung. So bleibt man wenigstens spontan. 🙂

Und sonst?

Auf dem Weg durch Kalifornien erahnt man die Weiten des gesamten Landes. Kaum vorstellbar wie sich die ersten Siedler aus der alten Welt gefühlt haben, als sie die unendlichen Flächen passieren mussten. Hat man die ultra heißen Gebiete durchquert und taucht in die etwas vegetativ begünstigten Abschnitte ein, sieht man immer wieder teils große schwarze Flecken oder ganz und gar noch aktiv schmorendes Holz. Der Klimawandel zeigt sich mehr und mehr. Ebenfalls auffällig war der doch recht umfangreich betriebene Ackerbau je mehr man in Richtung Westen und kühlerem Wetter (an der Küste war es statt hoher 30 beziehungsweise tiefer 40 Grad plötzlich lediglich um die 20 Grad und darunter) kommt. Früchte und Gemüse werden auf wirklich riesigen Feldern sehr liebevoll und mit viel (Wasser-)Aufwand angebaut. Ansonsten hat die USA wirklich ein Problem mit Plastik und Müll. Dazu werde ich aber sicherlich nochmal einen eigenen Artikel schreiben.

Bis dahin vertreiben wir uns die nächsten Tage die Zeit in San José, bis wir am Freitag in San Francisco landen.

5 Kommentare bei „Jetzt aber wirklich: Wir sind auf Weltreise!“

  1. Silvana Schmidt sagt: Antworten

    Habe schon gespannt auf euren ersten Bericht gewartet. Eure ersten Eindrücke bei hoher Gradzahl klingen vielversprechend.
    Jana, du darfst dann mal in Klasse 8 vertreten und über euer Abenteuer mit „Stars and Stripes“ berichten…aber auf Englisch bitte 😉
    Weiterhin viel Spaß euch Dreien!

  2. Liest sich super, bin gespannt auf mehr….habt ne Gute Zeit…

  3. Monika Wirtmann-Gutsche sagt: Antworten

    Sehr schön, dass ihr uns an eurer Tour teilhaben lasst! Es liest sich sehr interessant und ich bin auf die weiteren Berichte gespannt!
    Alles Gute weiterhin! Genießt die tollen Eindrücke und bleibt gesund!!!

  4. Sehr gut geschrieben.Ihr solltet ein Buch schreiben….

  5. Sehr ausführlich geschrieben. Schick! Weiter so!

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