Mit dem Ticabus von Costa Rica nach Nicaragua

Nach knapp 4 Wochen im wunderschönen und grünen Costa Rica, sollte es uns weiter nach Nicaragua ziehen. Im Gegensatz zu den anderen mittelamerikanischen Ländern bestand unser Plan von Anfang an darin dies auf dem Landweg zu tun. Die Sicherheitslage in beiden Ländern lässt dies grundsätzlich zu. Auch oder gerade bei Reisen mit einem Kind. Trotzdem recherchierten wir aufmerksam die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes. Für das von uns favorisierte Reisemittel – Ticabus – hatte das Amt nämlich explizite Aussagen parat:

Reisende, die mit dem Bus aus Costa Rica oder Honduras am Busbahnhof der Firma TICABUS in Managua ankommen, sollten dort besondere Vorsicht walten lassen und sich keinesfalls während der Dunkelheit dort aufhalten.

https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/nicaragua-node/nicaraguasicherheit/223316, Abruf am 29.09.2019

Terminals – also große Hauptstationen – von Ticabus sehen aus wie Hochsicherheitsbereiche. Zusammen mit den o.g. Hinweisen kommt man direkt ins Grübeln was da eigentlich los ist.

Quelle: https://andestransit.com/portal/en/san-jose-terminal-tica-agency, Abruf am 29.09.2019

Für die rund 500 Km benötigt der Bus in etwa 10 Stunden. Je nachdem wieviele Passagiere wirklich an Board sind, kann diese Zahl auch gerne mal ein wenig variieren. Für die Fahrt von San José nach Managua (Hauptstadt von Nicaragua) werden 3 Abfahrtszeiten angeboten: 6:00 Uhr, 7:30 Uhr und 12:30 Uhr. Da die Sonne derzeit ca. 17:30 Uhr untergeht und wir die Sicherheitshinweise ernst nehmen, entschieden wir uns natürlich als erstes für den 6:00 Uhr 7:30 Uhr Bus. 🙂 Spaß beiseite. Egal wie rum man es macht, die „Gefahr“ von Dunkelheit ist in beiden Fällen gegeben. Wir wählten schließlich die für uns angenehmere Variante, die da hieß: Dunkelheit lieber in Costa Rica. Was an dieser Stelle wirklich gut funktionierte war der Kontakt mit Ticabus per E-Mail sowie auf Englisch. Anstandslos änderte man die Tickets auf 6:00 Uhr und ging auf unsere Wünsche ein (ursprünglich wollten wir auch nur bis Rivas anstatt Managua fahren).

Um am Tag der Abreise keinen zusätzlichen Stress mit Taxis zum Ticabus Terminal zu haben, suchten wir uns eine passende Unterkunft ganz in der Nähe. Die Wahl viel dabei auf das Hostel Casa Colon. Für alle die einen ähnlichen Plan mit Ticabus in San José haben: Benutzt dieses Hostel. Es ist großartig. Völlig ausreichende Zimmer, sehr saubere Gemeinschafts-Sanitäranlagen, super freundliche Mitarbeiter, ein kostengünstiges Restaurant sowie ein spitzen Preis-/Leistungsverhältnis.

Auf den Tickets ist mehrfach gut sichtbar zu lesen, dass man mindestens 45 Minuten vor Abfahrt am Terminal zu sein hat. Bei einer Abfahrt um 6:00 Uhr bedeutet das damit um 4:30 Uhr aufstehen. Puhh. Um kurz nach 5:00 Uhr trotteten wir also schwer bepackt mit unseren Backpacks die 500 Meter um den Block zum Terminal. Ein paar Menschen sind bereits unterwegs. Ein Mann aus einem kleinen Mini Supermarkt stellt einen Aufsteller heraus. Angekommen am Terminal sehen wir an der Seite eine offene Tür. Ein paar Menschen sitzen auch schon drin. Direkt nachdem wir eintreten werden wir herangewunken um unser Gepäck abzugeben. Ordentlich mit rosa Anhängern versehen, werden die Rucksäcke auf dem Boden gestapelt. Weitere 10 Minuten später beginnt der Check-In. Neben den Tickets werden die Reisepässe sowie 9 Dollar pro Person verlangt. Diese setzen sich aus 5 Dollar Ausreisegebühr aus Costa Rica, 2 Dollar für die Gepäckkontrolle an der Grenze sowie 1 Dollar für administrative Dinge zusammen (offizielle Ausreisekosten in Costa Rica). 1 Dollar behält Ticabus. Zu zahlen in bar.

Ausreise-Gebühren in Costa Rica

Relativ pünktlich um 6:00 Uhr setzt sich der Bus in Bewegung. Sollte man wirklich vorhaben im Bus zu schlafen, empfehlen sich an dieser Stelle übrigens Ohrstöpsel. Wie bereits in einem früheren Beitrag beschrieben, ist der Einsatz der Hupe in Costa Rica obligatorisch. Dazu hat der Ticabus eine unheimlich laute Hupe, so dass man hier und da Gefahr läuft aus seinem Schlaf gerissen zu werden.

im Ticabus auf dem Weg nach Nicaragua

Nach 2 Stunden die erste Pause. Wir werden vom ehrgeizigen Fahrer aufgefordert den Bus zu verlassen. Ich ziehe mir die Kapuze vom Kopf und schleiche heraus. Schlafen kann ich auch später noch. Was folgt ist ein Temperaturschock. Von gefühlten 0 Grad im Bus zu knapp 30 Grad und 80% Luftfeuchte draußen. Mit Jacke ist es hier nicht zum aushalten. Ich merke wie sich das kleine Kopfschmerzen-Männchen meldet. Na das kann ja lustig werden heute. Nach 20 Minuten und lauter Ansage geht es weiter.

Gegen Mittag sind wir endlich an der Grenze. Wir sind gespannt wie das Prozedere sein wird. Aus den spanischen Ansagen entziffern wir lediglich „muy importante„. Noch auf der Seite von Costa Rica halten wir an. Alle anderen Fahrgäste steigen langsam aus. Mika wird allmählich wach und sucht sein Schuhe, als der engagierte Busfahrer uns noch einmal darauf hinweist doch endlich auszusteigen. Ob das „muy importante“ war? Wir stellen uns brav in der Reihe an. Als wir endlich dran sind checkt der Beamte unsere Pässe und gibt uns den wichtigen Ausreisestempel (ohne diesen geht nichts). Weitere Gebühren waren hier nicht zu bezahlen. Danach ging es wieder ab in den Bus. An der Tür erklärt uns ein weiterer Ticabus Mitarbeiter wie es weiter geht. Wir glauben zu verstehen das wir an der nächsten Station das Einreiseformular für Nicaragua benötigen, was wir vorher vorbildlich ausgefüllt hatten. Zusätzlich müssen wir weitere 14 Dollar pro Person für die Einreise in Nicaragua bezahlen. Diese setzen sich aus 10 Dollar für die obligatorische Touristenkarte und 2 Dollar Einreisegebühr zusammen. Die restlichen 2 Dollar sind vermutlich wieder Ticabus-Gebühr.

Einige Augenblicke später wird der Bus erneut angehalten. Der Busfahrer öffnet die Ladetüren und unterhält sich mit den Polizisten. Kurze Zeit später kommt ein Beamter mit einem Drogenspürhund herein. Mir fällt sofort der Kampf mit dem Frühstücksbrötchen ein, welchen ich ein paar Stunden vorher erfolgreich geführt hatte. So dachte ich zumindest. Die Rache kommt spät, aber sie kommt. Dieses hinterlistige Brötchen! Der Spürhund erkennt die Lage sofort und schnüffelt mehrfach am Boden vor mir herum (bei ihm gab es heute offenbar noch kein Frühstück). Auch auf dem Rückweg hält er bei mir an und erfreut sich an der Krümelflut. Als er schließlich herausgeführt wird atme ich kurz auf. Geschafft. Oh nein, jetzt kommt der Beamte mit einem weiteren Polizisten ohne Hund hinein. Mit einer Taschenlampe suchen sie die Unterseite der Sitze vor mir ab. Ich mache das ahnungsloseste Gesicht was ich habe und hoffe das alles gut geht. Der eine nimmt kopfschüttelnd Kontakt mit seinem Kollegen auf. Schließlich verlassen sie den Bus. Ich atme kurz durch.

Auch die anschließend zurückgelegte Wegstrecke ist sehr kurz. Wir fahren auf einen Parkplatz und werden aufgefordert auszusteigen. Vor dem Bus sehen wir, dass die ersten Leute ihr gesamtes Gepäck mitnehmen und in das nahegelegene Haus laufen. Es folgt noch eine Gepäckkontrolle. Die junge Kollegin lässt sich nur kurz von den vielen Gepäckstücken der Passagiere ablenken und spielt schnell auf ihrem Handy weiter. Geschafft. Wir buckeln wieder alles hinaus auf einen anderen Parkplatz und werden von einer Schar von Verkäuferinnen und Verkäufern in Empfang genommen. Die Hängematten sind zwar echt schön, wir haben aber wirklich keinen Platz mehr um sie zu tragen. Ich glaube der bemühte Verkäufer versteht mich nicht. Ich gehe einfach weiter. In der Mittagssonne ist es wirklich heiß. Wir sind froh als der Bus endlich kommt und wir wieder einsteigen dürfen. Es dauert noch gute 45 Minuten bis zwei Ticabus Mitarbeiter mit unseren Pässen zurückkommen.

Die restliche Fahrt ist unspektakulär und sehr zäh. Ziemlich genau um 17 Uhr kommen wir am Ticabus Terminal in Managua an. Auf dem Weg nach draußen belagern uns die Taxifahrer. Ich höre im Vorbeigehen nur etwas wie „no security„. Wir hatten uns im Vorfeld allerdings bereits informiert und eine Unterkunft ganz in der Nähe gebucht: La Posada del Arcangel. Keine 10 Minuten später sind wir am Hotel. Wir werden freundlich empfangen und auf unser Zimmer geleitet. Müde und geschafft lassen wir den Tag ausklingen. Wir sind froh in Nicaragua zu sein und freuen uns auf neue Eindrücke.

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