Costa Rica: Vulkane, Wellness, Strand und polnische Hunde

Nach dem karibischen Teil zog es uns gleich nebenan einmal quer durch Costa Rica nach La Fortuna. Auch wenn das Land eher klein und übersichtlich ist, sind Strecken von A nach B immer mit einem gewissen zeitlichen Aufwand verbunden. Generell gibt es in Costa Rica keine wirklichen Autobahnen. Auf den Hauptstrecken ist alles mit einer Art „Bundesstraße“ ausgebaut. 80 Km/h sind dort maximal erlaubt. In der Nähe der Hauptstadt gibt es ab und zu mal zweispurige Abschnitte, die dann allerdings auch direkt Maut kosten (alles aber sehr fair und kostengünstig). Übrigens werden die gerade erwähnten „Bundesstraßen“ aktuell massiv erneuert. Die neuen Abschnitte stehen der deutschen Straßenbaukunst in nichts nach. Ganz im Gegenteil. Straßen bauen können die in Costa Rica!

Aber zurück zu La Fortuna. Erwähnt man dieses Örtchen stehen die Chancen recht gut, dass der Gegenüber bereits davon gehört hat (ich persönlich jetzt nicht, aber ein „anderer“ Gegenüber vielleicht). Es liegt keine 10 Km von einem der weltweit aktivsten Vulkane – dem Arenal – entfernt. Direkt daneben ist überdies direkt ein zweiter Vulkan inklusive Kratersee zu finden – der Cerro Chato. Eine Attraktion von der uns bereits im Vorfeld berichtet wurde, sind die zahlreichen Spa- und Wellnesstempel entlang der heißen Quellen mit Wassertemperaturen zwischen 30 und 50 (!) Grad (ein aktiver Vulkan halt). Aber dazu später mehr.

Vulkan Arenal

Der gerade erwähnte Cerro Chato war dann auch gleich unser erstes Kletterziel. Mit 1140m üNN und einem wirklich schönen und grünen Kratersee in der Mitte, erschien er uns ein angemessenes Besteigungsobjekt zu sein. Unsere Unterkunft lag dafür strategisch gut gelegen am Beginn des Trails. Allmählich ansteilend ging es dem Gipfel entgegen. Als wir bald den Urwald erreichten, wurde es jedoch richtig eng und steil. Der Trail war teilweise metertief mit Regenwasser ausgewaschen, sodass es zu richtiger Kletterei ausartete. Beim Aufstieg hofften wir noch das es einen anderen Weg hinunter geben würde (gab es natürlich nicht), da der Abstieg bei dem steilen und rutschigen Untergrund sicher kein Spaß werden würde. Mika hatte aber richtig Freude und kraxelte fleißig bergauf. Nach guten 3 Stunden erreichten wir schließlich den Gipfel. Aussicht: 0. Wie immer halt. Weder das Tal noch der See waren zu sehen. Nur Urwald. Um endlich einen Blick auf das grüne Wunder zu ergattern, ging es nochmal gut 30 Minuten entlang des Gipfels seitlich herum. Aber da war er endlich.

Nach kurzer Pause und Stärkung begaben wir uns auf den Abstieg. Verständlicherweise begann Mika’s Lust nun allerdings zu schwinden. Abgesehen von Dauernörgeln, trottete er mehr oder weniger zielstrebig hinterher. Knapp 9 Km und 6 Stunden später, kehrten wir erschöpft in unsere Unterkunft zurück. Beim Aufstieg hatten wir uns bereits über die fast nicht mehr lesbaren Hinweisschilder sowie den Stacheldraht am Weg gewundert. Im Nachhinein bekamen wir heraus, dass der Cerro Chato Hike seit 2017 von den Behörden gesperrt ist. Ups, haben wir wirklich nicht gewusst. Auch der Hotelmitarbeiter sagte kein Wort.

Hike zum Cerro Chato

Tags darauf begaben wir uns auf einen kurzen Abstecher zum sogenannten Mistico Arenal Hanging Bridges Park. Im Großen und Ganzen ein künstlich angelegter rund 3 Kilometer langer Weg durch den Regenwald, der damit es nicht ganz so langweilig ist mit einigen, teils über 70m hohen, Hängebrücken bestückt, daher kommt. Mit einem Fünfjährigen der jedes Geräusch der Welt mit seinem Mund machen kann (und dies zu fast jeder Tageszeit auch tut), war es da natürlich schwer das ein oder andere Tier zu erspähen. Bis auf Ameisen (!) fällt mir auch spontan keins ein. Ob man jetzt $26 pro Person dafür ausgeben muss, darf jeder selbst entscheiden. 🙂

Wirklich schön wurde es dann auf dem Heimweg. Eingangs hatte ich ja bereits die heißen Quellen erwähnt, für die La Fortuna durchaus bekannt ist. Recherchiert man ein wenig wie die Locals ihre Spa- und Wellness-Freizeit verbringen, stößt man schnell auf den Rio Chollin. Durch den Arenal, der am Tag unserer Abreise übrigens deutlich sichtbar qualmte, ist der ganze Boden inkl. dem Wasser der Flüsse drumherum sehr aufgeheizt. Als wir ankamen sahen wir auch schon die Einheimischen im Wasser sitzen. Wir suchten uns ebenfalls eine schöne Stelle und ließen den Tag ausklingen. Als es schließlich mit regnen begann, tauchten wir einfach noch ein wenig tiefer in das 35 Grad warme Wasser ein. Sehr sehr angenehm und empfehlenswert.

Damit ging die Zeit in La Fortuna auch schon zu Ende. Das nächste Ziel sollte die Nicoya Halbinsel im Nordwesten Costa Rica’s sein. Google Maps prognostizierte dafür eine Fahrtzeit von 5,5 Stunden (280 Km). Allein die Fahrt entlang des mit 85 Quadratkilometer größten See des Landes – dem Lake Arenal – dauerte eine gefühlte Ewigkeit. Die vielen Kurven hinterließen bei dem ein oder anderen Familienmitglied auch ihre Spuren (trotz meines ultra-soften Fahrstils 🙂 ). Trotzdem kamen wir gut voran. Ca. 100 Km vor dem Ziel wunderten wir uns schon, warum Google dafür noch satte 2,5 Stunden veranschlagte. Es sollte nicht mehr lange dauern bis wir es verstanden. Etwas weiter oben hatte ich ja schon mein Loblied auf Costa Rica’s Straßen angestimmt. Auf der Halbinsel ergab sich für uns allerdings ein komplett anderes Bild. Man merkt definitiv das sich vieles bewegt und das Infrastruktur auch hier eine gewisse Dringlichkeit hat. Für das Nicoya Gebiet hat man allerdings erst vor kurzer Zeit begonnen etwas zu bauen. Der aktuelle Zustand der Straßen lässt sich am Besten mit „schlechtester Feldweg den ich jemals gefahren bin“ beschreiben. Und das schlappe 100 Km lang. Kein Witz. Wir kämpften uns mit 30 Km/h Maximalgeschwindigkeit über Matsch, Steine und Schlaglöcher, die wirklich ihren Namen verdienen. Beeindruckend.

Hauptstraße von Playa Carmen Teil 1
Hauptstraße von Playa Carmen Teil 2
Auffahrt zu unserer Unterkunft – die Steilheit kommt nicht mal ansatzweise rüber

Playa Carmen, welches wiederum im Südwesten der Halbinsel liegt, entwickelte sich in den letzten Jahren vom Surfer-Geheimtipp zum überfüllten Surfer-Mekka. Allerdings nur im Sommer wie man uns erzählte. In der aktuellen „Regenzeit“ (es regnet einmal am Tag, ansonsten sind es immer 30 Grad, Sonne und blauer Himmel) hält sich das alles in Grenzen. Unser Host Freddy, ein ausgewanderter US-Amerikaner Ende 40/Anfang 50 mit Bilderbuch-Surfer-Body, passte hier auch perfekt ins Bild. So richtig viel unternahmen wir in diesem Teil der Welt auch nicht. Ausruhen, ab und zu mal zum Strand runter und Essen. Man muss ja auch mal faul sein. Erwähnenswert sind auf jeden Fall noch die Montezuma Falls. Eine Affenbande in den Bäumen zeigte uns hier den Eingang zum Trail. Kurz und knackig steil sowie am Ende mit nassen Füßen erreichten wir den wunderschön eingebetteten Wasserfall. Die einheimischen Guides hatten scheinbar den Drang ihren Kunden noch etwas Weiteres bieten zu müssen. Sie stiegen gut 10m den Wasserfall hinauf und sprangen spektakulär in die Tiefe. Ich wollte sie nicht beleidigen und verzichtete auf meinen Auftritt. Doppelschwör. 🙂

Tour Guide bei der Arbeit

Unsere letzte Station im immergrünen Costa Rica führte uns erneut über die Hauptstadt San José. Um etwas Geld zu sparen tauschten wir nochmal den Mietwagen. Mittlerweile hatte ich unseren Daihatsu Bego 4×4 richtig lieb gewonnen. Für alle die ein zuverlässiges Allradfahrzeug suchen, nehmt einen Bego. Ich nahm kurz Abschied und begrüßte unseren Nissan Tiida Stufenheck. Zuvor umfuhren wir noch fast die gesamte Nicoya Halbinsel, indem wir die Fähre von Paquero nach Punta Arenas benutzten. Anstatt 2 Stunden über Stock und Stein zu juckeln, entspannten wir uns bei Kaffee und Kuchen auf der 70-minütigen Fahrt. Am Ende des Tages erreichten wir auf der pazifischen Seite, ungefähr auf halbem Weg nach Panama, das kleine Städchen Platanillo. Beata und Marek, zwei polnische Auswanderer mit US-amerikanischer Staatsbürgerschaft, kauften vor 3 Jahren ein Grundstück von einem Deutschen und setzten zusätzlich ein super schönes Gartenhäuschen darauf. Hier fanden wir alles was wir brauchten. Sozusagen die perfekte Ausgangsbasis um die kommenden 7 Tage in purem Luxus zu verbringen. Platanillo liegt mit ca. 500m üNN deutlich höher als alle anderen Stationen vorher. Dazu befanden wir uns auch ein gutes Stückchen im Regenwald. Die Konsequenz war, dass wir zum ersten Mal die Regenzeit zu spüren bekamen. Es regnete viel länger und häufiger und wir machten uns nach den ersten 3 Tagen schon Sorgen, dass wir wohl nicht allzu viel sehen würden. Am vierten Tag jedoch die Erlösung in Form von Sonnenschein.

Bei der Hacienda Baru buchten wir direkt eine Zipline Tour. Für alle die nicht wissen was das ist: Man wird – mit einem Klettergurt ausgestattet – in ein Stahlseil 50m über dem Boden eingeklingt und schießt auf die andere Seite an das Ende der Strecke. Richtig gut! Erneut konnten wir das Privileg einer Privattour in Anspruch nehmen. Mit Juan Carlos und seinem kongenialen Partner (den Namen habe ich leider vergessen) hatten wir zwei super lustige und englischsprechende Tourguides an unserer Seite, die das perfekte Unterhaltungsprogramm abspulten. Dazu waren sie wirklich gut und konnten uns unheimlich viele Dinge erklären und zeigen. Jana konnte auch ihr erstes Faultier (sogar 2 verschiedene) ausgiebig begutachten. Neben unreifen Kakao-Bohnen die wir ablutschten und anschließend auf den Boden spuckten (genau so machen es die Affen auch), wurde uns eine weitere ovale Frucht mit einer harten Schale zum Verzehr vorgestellt. Nachdem diese aufgebissen war, kam ein süßlich schmeckender Kern (so ähnlich wie eine Litschi) zum Vorschein. Leider fällt mir der Name nicht mehr ein. Ich erinnere mich nur noch, dass diese Frucht unheimlich lange zum Wachsen benötigt. Zum Abschluss gab es ein eisgekühltes Handtuch zum Abkühlen sowie Wassermelone zum Essen. Wir verabschiedeten uns, stiegen in unseren Tiida, drehten den Zündschlüssel und brausten mit quietschenden Reifen davon nichts. Ernsthaft? Bis auf ein Klicken des Anlassers tat sich nicht so viel. Die Batterie war leer. Zeit meine Spanischkenntnisse der Lektionen 1 bis 4 (es gibt über 60) in die Praxis umzusetzen. Leider kam ich mit „Wie gehts dir? Danke, sehr gut. Wie heißt du?“ nicht sonderlich weit beim Dollar – Rent a Car – Mitarbeiter. Zum Glück war dieser dem Englischen mächtig. Er erklärte mir das er jemanden aus San José vorbei schicken würde (gute 3,5 Stunden entfernt), der die Batterie vor Ort austauscht sodass wir weiterfahren können. Super. Ausreichend Zeit um die Gegend zu erkunden und unseren Tagespass für den Nationalpark zu benutzen. Nachdem die Meute aber vor lauter Hunger so langsam unruhig wurde und die Dunkelheit über uns hinein brach, ergatterten wir im Hacienda Restaurant noch ein schönes Abendbrot. Zu allem Überfluss fiel Jana zu dieser Gelegenheit noch ihr Handy hinunter. Äußerlich noch alles intakt, muss es im Inneren jedoch ganz schön gekracht haben. Der Bildschirm blieb schwarz und das Telefon aus. Nach über 5 Stunden Wartezeit, in denen sich die Mitarbeiterin der Hacienda Baru super rührig um uns kümmerte, tauchte jemand von Dollar auf. Übrigens mit einem anderen Tiida. Jetzt mach die Kiste nur nicht aus dachte ich mir. Sonst werden wir heute Nacht noch beste Freunde hier auf dem Parkplatz mitten im Wald. Wie dem auch sei. Keine 5 Minuten später saß die neue Batterie im Auto und die Teufelsmaschine sprang wieder an. Heureka!

In der Zwischenzeit war Marek – unser Host – vorbei gekommen um uns im Fall der Fälle abzuholen. Die Beiden waren übrigens großartig. Wir konnten uns super mit Ihnen unterhalten und ihre Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft genießen. Mika war auch kurz davor adoptiert zu werden. Mit Salsa (einer Katze die ihren Namen erhielt weil sie Salsa-ähnliche Tanzschritte drauf hat) und Polka (einem „stinky“ Mischlingshund der von Mika Tag und Nacht mit Hundekräckern vollgestopft wurde) war Mika kurz davor uns zu verlassen. 🙂 Der Abschied ließ dann tatsächlich auch ein wenig Wehmut zurück. Bevor es allerdings soweit war, statteten wir noch den beiden Städten Dominical und San Isidro de El General einen Besuch ab. In ersterer luden wir Flip (Instagram-Insider) ab und schauten uns etwas um. In San Isidro besuchten wir einen riesigen lokalen Markt und füllten gleich unser Früchtelager auf. Papaya’s, Drachenfrüchte und eine Grapefruit. Alles mega günstig, frisch und lecker.

Farmers Market

Bevor es uns weiter nach Nicaragua ziehen sollte, versuchten wir zurück in der Hauptstadt Costa Rica’s Jana’s iPhone reparieren zu lassen. Leider leider ohne Erfolg. Immerhin erhielt unser iPad kostengünstig (und unter Androhung drakonischer Strafen falls es wieder kaputt gehen sollte) ein neues Display. Wir gaben in der Nähe des Flughafens unseren Teufels-Tiida ab und benutzten zum ersten Mal während unserer Reise Uber. Erst fuhr uns Ericka mit ihrer weiblich souveränen Art sicher und hupend in die Stadt, bevor Michael Alberto übernahm und uns kurzerhand zum Hostel beförderte.

Unser Fazit: Costa Rica ist für Europäer definitiv eine Reise wert! Wir fühlten uns stets sicher und gut aufgehoben. Alle Menschen sind sehr freundlich. Preislich bewegt sich alles ungefähr auf deutschem Niveau (man merkt schon den Einfluss der USA hier). Die hohe Vielfalt und Abwechslung machen das Land aber sehr erstrebenswert und attraktiv. Wir würden wieder kommen!

Ein Kommentar bei „Costa Rica: Vulkane, Wellness, Strand und polnische Hunde“

  1. Baden in heißen Quellen jederzeit, Berge besteigen, die eigentlich gesperrt sind…niemals 🙈 Da kann ich Mika doch verstehen, auch wenn er es erst Bergab erkannt hat 😉
    Hoffe das Handy (oder ein Ersatz) funktioniert inzwischen wieder!
    Auf zum nächsten Ziel👍

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